Wechselseitige Beziehungen in der Selbstversorgung

Oder wie der Boden zu unserer Nahrungskette dazu gehört

Wenn ich jemanden frage, was er sich denn unter Selbstversorgung vorstellt, kommt meistens eine sehr ähnliche Antwort. – Naja, ich gehe in den Garten und pflanze dort etwas rein – so der O-Ton. Wenn es doch so einfach wäre. Ja natürlich, oft funktioniert das auch und bringt lange Zeit gute Erträge, aber um das große Ganze verstehen zu können, um bei „Missverständnissen“ eingreifen zu können und um unser System zu schonen, ist es wichtig vom kleinsten Glied in unserer Kette zu starten. Also den kleinsten Lebewesen, zumindest ein Teil davon.

Die Nahrungskette beginnt so eigentlich mit unseren kleinen Freunden, den Bakterien. Sie sind die einzigen Lebewesen, die freien und ungebundenen Stickstoff verwenden und davon leben können. So bilden Bakterien den Grundstein der Nahrungskette. Nehmen wir also einen Stecknadelkopf großen Teil guten Bodens, werden wir dort Millionen von Bakterien finden. Gleichzeitig leben dort auch wieder Unmengen an mikroskopisch kleinen Tierchen, die durch Wechselbeziehungen mit Bakterien Nährstoffe abgeben. Zoomt man etwas aus dem mikroskopischen Bereich heraus, wird man andere Kleintiere und Pflanzen erkennen. Die Pflanzen ernähren sich von den Ausscheidungen der Kleinstlebewesen und Bakterien. Wiederum größere Tiere von den Pflanzen und der Pflanzenfresser wird wiederum vom Fleisfresser gefressen. Rückläufig ernähren sich die kleinsten Lebewesen von abgestorbenen Pflanzenteilen, Tierkadavern und Mist der Tiere. Logischerweise wird der Anteil der höher gestellten Pflanzen und Tiere nach oben hin immer weniger. So ensteht die bekannte Nahrungspyramide. Der Mensch selbst steht dabei ziemlich weitoben an der Spitze, als „Allesfresser“ aber nicht ganz oben.

Eine grobe Nahrungspyramide – die Kreisläufe sind allerdings viel komplexer

Da ja trotzdem nicht alles so einfach ist, wie vielleicht die Nahrungspyramide zeigt, geht es jetzt noch etwas weiter. Denn das ganze System steht in wechselseitiger Beziehung zueinander. Als kleines Beispiel: Werden rein theoretisch vom Menschen viele Fleischfresser aus der Natur entnommen, werden viel weniger Pflanzenfresser gefressen. Das Übermaß an Pflanzenfresser schafft relativ schnell kahle und öde Flächen – ohne Leben. Anders herum gedacht, wenn zu wenig Pflanzenfresser vorhanden sind, kann der Aufwuchs nicht mehr in Schach gehalten werden. Weideland und Lichtungen wachsen sehr schnell zu und verbuschen. Das Gleiche gilt für Einseitigkeit. Wird Weideland nur von einer Art abgegrast, ist die Ausbeute geringer. Wird eine Pflanzenart auf der Weide sehr gut mit Nährstoffen versorgt, die Andere unterversorgt, wird die Eine die Andere Art verdrängen. Genau das beschreibt die wechselseitige Beziehung der Selbstversorgung. Deshalb ist es unsere Pflicht, die einzelnen Punkte zu verstehen und bestmöglich umzusetzen. Denn auch wenn wir das Land „benutzen“ und „bewirtschaften“, sollten wir unser Land „hegen und pflegen“, um auch in Zukunft damit arbeiten zu können.

Der Boden im System

Unser Boden ist der Startgeber unseres Lebens. Er bringt unsere Nahrung hervor und bietet uns unseren Lebensunterhalt. Heruntergbrochen besteht unser Boden erstmal nur aus einer Art Pudersand. Dieser entsteht durch die Zerkleinerung von Gesteinen, durch Fost und Hitze, Wasser, Gletschern und Winden. Ja sogar manche Algen und Bakterien können das Gestein zerkleinern. Durch Winde und Strömungen wird der Boden verteilt. Bekannt dafür ist der sogenannte Lössboden – ein sehr feiner Staub, der nicht nur hier sondern auch in China und Nordamerika zu finden ist.

Die oberste Bodenschicht sollte fruchtbar, humos und drainagiert sein

So reich das zerkleinerte Gestein an Mineralien und Spurenelementen auch ist, fehlt ihm erstmal noch etwas ganz wichtiges, um Leben hervorbringen zu können: den Humus! Der Bpden wird also nur seiner Funktion gerecht werden können, wenn Leben in ihn kommt. Sprich Dinge, die einst dort lebten, verstarben und dann dort verrotten, müssen ihm hinzugefügt werden. Denn nur so können Bakterien und Kleinstlebewesen sich ernähren und somit auch alle anderen ernähren. Erst dann spricht man von guter Erde.

Natürlich gibt es nicht nur eine Bodenart, sondern je nach Region, je nachdem welches Felsgestein dort zerkleinert wurde, ist der Boden anders. Es gibt natürlich auch den „einen idealen Boden“, aber dieser ist wohl kaum zu finden. Deshalb muss jeder Selbstvesorger, jeder Gärtner, eben jeder Bodennutzer, einfach das beste aus seinem Boden machen. Grob eingeteilt wird der Boden in schwere und leichte Böden, je nach Partikelgröße der zermahlenen Felsgesteine. Das Gewicht spielt dabei keine Rolle, sondern nur der Schwierigkeitsgrad der Bearbeitung. Ständiger Boden kann beispielsweise auch bei nassem Wetter bearbeitet werden, ohne die Struktur zu verschlechtern. Schwerer Lehmboden wird kaum umzugraben sein, er klebt am Spaten, wird puddingartig und bildet eine Schmierschicht, die wie eine Sperrschicht wirkt.

Der Biden ist aber nicht durchgehend nur einseitig, sondern kann grob in 3 Schichten eingeteilt werde. Dabei ist die oberste Schicht, der Oberboden, unser „guter“ Boden, vermischt mit Humus und Nährstoffen. 10 bis maximal 20 cm darunter, beginnt der Unterboden. Ein Bereich mit meist keinem Humus, aber reich an Nährstoffen und Mineralien. Die dritte Schicht ist das Feldgestein, welches tief bis in das Erdinnere reicht. Die zweite und dritte Schicht sind besonders wichtig für eine gute Drainage. Beispielsweise eignen sich Kreide, Sandstein und Kalkstein sehr gut. Der Unterboden sollte aber idealerweise eine Mischung aus „trocknenden“ und „nässenden“ Bestandteilen sein. Nur Lehm bildet Staunässe, Sand und Kies trocknen den Boden schnell aus. In der durchschnittlichen Wetterlage ist ein Verhältnis von etwa zweidrittel Lehm und eindrittel Sand und Kies ganz gut. Aber sind wir ehrlich, man kann nicht so einfach den Boden austauschen. Auf gewisse Weise muss man damit Leben – es gibt aber wunderbare Möglichkeiten den Boden langfristig zu verbessern. Aber dazu später einmal mehr.

Schwerer Lehm

Dieser Boden ist besonders schwierig zu bearbeiten. Wird er zu nass umgegraben oder ist er zu sauer, neigt er zu „Manschen“. Das heißt, er wird zu einer klebrigen und schmierigen Masse. Das Wasser kann dort nicht durch, und ist es trocken, reißt der Boden auf. Allerdings kann man ein paar Dinge tun, um den Boden langfristig besser aufzuarbeiten. Neben einem erhöhten Alkaligehalt, dem Einfluss von Luft und Frost und der Zugabe von Humus kann man auch durch Sandzugaben den Boden lockern und so ein „Aufflocken“ des Bodens begünstigen. Auch Gründüngungen und wechselnde Bewirtschaftung lockert den Boden nachhaltig auf. Schwerer Lehmboden ist ein später Boden und bringt im Frühjahr keine guten Erträge. Er ist dann einfach noch zu kalt und nass. Er ist oft schon sehr Nährstoffreich und setzt Zugaben von Humus eher langsam um. Deshalb braucht er nicht sehr oft nachgedüngt werden.

Schwerer nicht gut drainagierter Boden reißt bei Dürre schnell auf

Lehm

Lehm ist der große Bereich zwischen schweren Lehm und Sand. Dabei spielt die Größe der Partikel hier eine große Rolle. Denn je größer bzw gleich groß die Partikel sind, desto leichter und besser wird der Boden. Ideal für den Gärtner ist ein mittlerer Lehmboden. Er speichert genug Wasser und Nährstoffe, ist aber auch locker genug, um ein leichtes Wurzelwachstum zu ermöglichen. Auf manchen Gesteinsarten ist eine Düngung meist nicht notwendig. Allerdings macht auch hier die Zugabe von Humus den Boden ertragreicher.

Sand

Sandiger Boden hat starke Drainageeigenschaften, ist meist säurehaltig und neigt dazu, zu wenig Kali und Phosphat zu besitzen. Im Frühjahr erwärmt er sich schnell, braucht als hungriger Boden aber viel Humus. Vorallem organischer Dünger muss in großen Mengen hinzugefügt werden – anorganische Dünger wird schnell herausgewaschen. Sandboden kann, wenn man die Möglichkeit hat, auch mit Lehmboden aufgebessert werden. Sandiger Boden ist besonders im Winter belastbarer als Lehmboden, ist aber im Sommer bei Trockenheit eher karg und leidet stark unter Dürre.

Torf

Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch den Torf. Dieser Boden ensteht durch Pflanzenreste, die unter Luftabschluss verrottet sind. Sie sind oft sehr nass und sumpfig. Sind sie allerdings natürlich drainagiert, bringen sie gute Erträge. In vielen handelsüblichen Pflanzerden usw ist Torf enthalten. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes ist Torf allerdings ein eher schwieriges Material. Denn dafür werden Moore großflächig trocken gelegt und abgebaut. Der Lebensraum wird dadurch vollständig zerstört und Kreisläufe brechen zusammen. Daher empfehle ich, möglichst auf torfhaltige Produkte zu verzichten und lieber mit anderen Rohstoffen den Boden zu verbessern.

Torfabbau schadet der Umwelt – deshalb sollte Torf möglichst vermieden werden.

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