Jahresrückblick – Gedanken über das Jahr 2020

„OK, 2020, das war genug. Mach Platz für 2021!“

Wahrscheinlich denken die meisten Menschen auf der ganzen Welt so – besonders zum Jahreswechsel 2020/21. Und ich muss zugeben, auch ich denke oft genau so über das Jahr 2020. Im ersten Moment hat man das Gefühl, 2020 ist eine einzige Talfahrt – nur bergab. Corona, Wetterlage, Tiere, Garten und Co, alles ist irgendwo mit einem Schatten belegt. Doch ist es wirklich so? Ich möchte mit Euch einmal ein wenig über das Jahr 2020 sinnieren und herausfinden, wie schlecht dieses Jahr war, oder ob es nicht doch noch einiges Gutes gab.

Januar

Das Jahr 2020 ist mit dem Januar ziemlich ruhig gestartet. Die letzten Festtage steckten einem noch in den Knochen, doch im Großen und Ganzen herrschte eine große Vorfreude auf das kommende Jahr. Keiner wusste so recht, dass 2020 so ganz anders werden würde, als man erwartet. Natürlich gab es im Januar auch keinen Schnee, nur nasskaltes Regenwetter. Somit wurde man wortwörtlich nach drinnen verbannt. Was aber natürlich nicht hieß, dass es keine Arbeit gab. Denn der Januar ist der Vorbereitungsmonat für den Garten. Spätestens jetzt sollte die Gartenplanung abgeschlossen sein und fehlendes Saatgut bestellt werden. Für mich persönlich war es ebenfalls eine aufregende Zeit. Habe ich doch im Dezember davor meine Gesellenprüfung abgeschlossen und wartete angespannt auf meine Ergebnisse. Dafür musste ich aber noch auf den Februar warten.

Februar

Jaaa, bestanden! Was für eine Freude! Seit Februar bin ich ganz offiziell keine Auszubildende mehr, sondern Gesellin. Ein Tag, den ich 2020 wohl nicht mehr vergessen werde. Der Febraur war auch so gar nicht winterlich, ziemlich milde Temperaturen und viel feuchtes Wetter. Für den Garten noch zu nass und kalt, wurde ich noch immer in meinem Tatendrang gehemmt. Nichts ahnend, dass ich bald schon viel Zeit haben würde. Dennoch hab es zum Monatsende ein freudiges Ereignis. Am 25. Febraur ist unser erstes Lämmchen gesund auf die Welt gekommen. Ein prächtiger kleiner Bursche! Das sind die schönen Lichtblicke im Leben!

März

Gleich zum Anfang wurden wir wieder überrascht. Ein weiteres Lämmchen stand eines morgens bei uns im Stall. Wunderschön und super fit! Es ist jedes Mal ein kleines Wunder. Dann gab es ab Mitte März eines ganz fiesen Kälteeinbruch. Nächte teilweise bis Minus 10 Grad! Wahrscheinlich kann man sich schon denken, was dann passiert ist. In einer dieser Nächte kam wieder ein kleiner Zwerg auf die Welt, schwach und krank. Die kleine Maus hat es leider nicht in dieser frostigen Nacht geschafft. Ein paar Tage später erblickten Zwillinge das Licht der Welt. Wieder ein paar Sorgenkind mehr. Die Mutter nahm die beiden nicht so recht an, kümmerte sich nicht. Kurz vor dem Erfrieren nahm ich die Beiden mit nach Hause. So hatten wir zwei kleine Flaschenkinder. Anfangs mit Spritze und Milliliter für Milliliter wurden die Zwerge aufgepeppelt. Der Tierarzt gab ihnen wegen der Unterkühlung keine Chance. Leider musste sich dies auch in einem Fall bewahrheiten. Das kleine Mädchen starb wenige Tage später. Übrig blieb unser tapfere Flaschenkinder „Hansi“. Und auch, wenn es immer sehr traurige Tage sind, gehören sie zum Leben dazu. Gerade bei Nutztieren, die ich in keinster Weise degradieren möchte, kann man solche Situationen trotz größtem Aufwand nicht immer abwenden. Im Garten startete ich natüchlich trotzdem. Anzuchten wurden vorbereitet und im Gewächshaus die ersten Radieschien und Salate gesäat. Um den März zu vervollständigen, muss natürlich noch eine wichtige Sache folgen: Corona! Am 11. März wurde Covid – 19 offiziell in Deutschland zu einer Pandemie erklärt. Mit den uns allen bekannten Folgen für Gesellschaft, Privatleben und Wirtschaft.

April

April, April, er macht was er will. So war es auch ein wenig. Das Wetter war anfangs noch sehr wechselhaft, auch mit kühlen Nächten. Ab dem 20. April allerdings wurde es nach und nach wärmer, die ersten Bäume und Sträucher blühten, das Gras auf den Weiden wurde offensichtlich grüner und die Lust draußen endlich richtig aktiv zu werden wurde immer größer. Mein persönliches Highlight diesen Monat, war die Live-Geburt unseres letzten Lämmchens. Ich habe schon eine kleine Ewigkeit auf das letzte Lamm gewartet und mir ein wenig Sorgen gemacht. Eines morgens entdeckte ich dann die ersten Anzeichen einer beginnenden Geburt. Erfahrungsgemäß dauert es dann aber noch ein wenig. Und kurz bevor ich zur Arbeit musste, habe ich noch einen kurzen Abstecher zur Weide gemacht. Wie gesagt, ein ganz besonderes Highlight! Natürlich ging es nun auch im Garten richtig los. Die Kartoffeln kamen endlich in die Erde, Kohlpflanzen konnten auch im Freiland gesetzt werden. Und eine Idee, die ich schon lange im Kopf hatte, nahm endlich Gestalt an. Telefonate wurden geführt, recherchiert und Blut und Wasser geschwitzt! Dazu aber mehr im Monat Mai. Und was sagt Corona in diesem Monat? Es hat uns so ziemlich im Griff. Persönlich betroffen hat es mich hauptsächlich in meinem eigentlichen Beruf. Dort wurde, wie in so vielen anderen, in Kurzarbeit gearbeitet. Für mich hieß das, die meiste Zeit wurde im wöchentlichen Wechsel gearbeitet und die andere Woche musste ich zu Hause bleiben. Das hört sich ziemlich bescheiden an. Trotzdem muss ich sagen, wie bei allem, gibt es auch hier zwei Seiten einer Medaille. Natürlich ist die ganze Situation nicht schön und die Kurzarbeit bringt einige Probleme, jedoch hat diese Zeit auch jede Menge „Freizeit“ mitgebracht. Zeit die ich gut gebrauchen konnte, um meine deen umzusetzen.

Mai

Der Mai war der Gartenmonat. Alles musste raus, was raus konnte. Natürlich erst nach den Eisheiligen. Diese haben nämlich dieses Jahr kräftig zugeschlagen und nochmal ziemlichen Frost mit sich gebracht. Somit habe ich auch das Meiste in weiser Voraussicht wirklich geschützt gehalten oder maximal in das Gewächshaus gestellt. Dennoch war ich mit einer Kultur ziemlich voreilig und habe sie vor den Eisheiligen ausgepflanzt. Das war somit das Ende für meinen Bantam-Mais. Obwohl Mais eigentlich ein oder zwei Grad Minus gut aushält, war es dann doch zu kalt. Aber auch hier: aus Fehlern lernt man. Zu meinem Projekt: Ich hatte mir vorgenommen einen größeren Teil meiner Beetflächen mit dem No-Dig System zu bearbeiten, bzw. nicht zu bearbeiten. Dafür brauchte ich Pappe, eine Unmenge an Kompost und ganz viel Frauenpower. Und ich kann Euch sagen, 5 Tonnen Kompost sind ziemlich viel Arbeit, wenn man sie mit einer Schubkarre und Eimern bewegen muss! Dennoch bin ich so ziemlich zufrieden mit meinem Werk. Achso, und ja: Corona gibt es immer noch!

Juni, Juli, August und September

Im Juni zeigte sich erstmals so richtig die viele Arbeit aus dem Frühjahr. Große Ernten konnten schon eingefahren werden, die ersten Schädlingsplagen sind über einen hinweg gerollt und die Trockenheit machte sich so langsam wieder bemerkbar. Auch wenn schon lange nicht so extrem wie in den Jahren davor, spürbar war sie dieses Jahr trotzdem. Dennoch konnte ich mich nicht beklagen, den ganzen Sommer über gab es immer mal wieder ausreichend Regen, der schnell unsere Wassertonnen gefüllt haben. Da haben ganz andere Regionen doch mehr Pech gehabt. Der kleine „Hansi“ hat sich wunderbar entwickelt. Er ist zu einem kräftigen kleinen Böckchen herangewachsen und mischt die Lämmergruppe ganz schön auf. Auch die anderen Lämmer sind zu stattlichen Individuen herangewachsen. Im August könnte ich meine Idee so langsam in die Tat umsetzen und hier meinen Blog eröffnen sowie Vorbereitungen für meine Gemüsefarm starten. Das war dann doch eine ganz schöne Herausforderung und mit viel viel Planung und Stress verbunden. Ein wenig hatte ich das schon unterschätzt. In diesen Monaten hat sich die Corona-Situation doch ein wenig entspannt. Natürlich gelten noch alle wichtigen Regeln und Vorschriften, um uns alle bestmöglich zu schützen. Aber sind wir mal ehrlich. Wahrscheinlich hat sich jeder schon an das Maske tragen und Abstand halten gewöhnt. Mir geht es zumindest so. Es ist ein wenig zum normalen Alltag geworden.

Oktober und November

Diese beiden Monate läuten so langsam das Ende des Jahres ein. Aber vor allem das Ende der Hauptgartensaison. Die letzten großen Ernten wurden erledigt und haltbar gemacht. Der Garten für den Winter fit gemacht und gemulcht. Noch ein paar letzte Winteraussaaten getätigt. Viel war es dann nicht mehr. Ich habe mich, besonders an den kalten und nassen Tagen, wieder häufiger an Planungen und Vorbereitungen gesetzt. Denn das neue Jahr ist nicht mehr weit. Die Wintervorräte wurden mit dem Schlachten einiger Schafe vervollständigt. Das gehört zu einer Selbstversorgung und einem gesunden Leben dazu. Auch wenn ich mich nur ungern von meinen Tieren trenne, zählt es für mich zum konsequenten Handeln. Wenn ich Fleisch essen möchte, schlacht ich wenn möglich meine eigenen Tiere.

Dezember

Der letzte Monat des Jahres. Der Monat, der eigentlich für Besinnlichkeit, Ruhe und Frieden steht. Für meine Wenigkeit habe ich mich ganz darauf eingestellt. Die Adventszeit und Weihnachten ist für mich immer etwas ganz besonderes. Zeit mit der Familie, Freunden und Bekannten. Bummeln und Weihnachtsmarkt. Und dieses Jahr? Lockdown! Viele Geschäfte haben zu, Versammlungen gibt es seit Monaten schon nicht mehr und große Familientreffen an den Festtagen sind nicht erlaubt. Es ist verständlich. Aber trotzdem traurig. Deshalb hoffe ich, dass wir alle die dunkle Wolke des Jahres 2020 im alten Jahr zurücklassen können und mit all den positiven Erinnerungen in das neue Jahr starten!

Ich hoffe und wünsche Euch, dass ihr einen guten Jahreswechsel hattet und gesund in das Jahr 2021 startet! Genießt die Zeit, die Ihr mit Eurer Familie verbringen könnt. Nutzt sie, um Euch auf das Wesentliche im Leben zu besinnen. Habt viel Spaß und bis demnächst!

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