Fehler im System – Insektensterben Teil 2

Groß, größer, am größten – immer Besser?

In meinem letzten Beitrag „Fehler im System – Insektensterben Teil 1“ habe ich Euch über die möglichen Ursachen und die wahrscheinlichsten Folgen für Mensch und Natur informiert. Dabei wurde deutlich, wie intensiv wir als Mensch – ob es mit der Landwirtschaft, der Infrastruktur oder unserem persönlichen Handeln – in die Natur eingreifen. Natürlich geht es noch weiter – denn, allein durch das Wissen änderst Du nichts! Hier erfährst Du, welche Maßnahmen Du ergreifen kannst und wie Du im Allgemeinen die Insekten in Deiner unmittelbaren Umgebung schützen kannst!

Die bunte Chaosecke

Glattgestriegelter Rasen, Stein an Stein, Betonfuge an Betonfuge – dazwischen zwei einsame Zypressen in Formschnitt. Gärten, welche immer häufiger in „modernen“ Gärten zu finden sind. Ästhetisch vielleicht – allerdings tote Insektenwüsten. Was also tun, um die Insekten wieder in Deinen Garten zu locken? Eigentlich ist es ganz einfach und mit wenig Arbeit verbunden. Einen großen Teil erledigt die Natur dann von ganz allein. Dafür brauchst Du in Deinem Garten einfach nur eine „bunte Chaosecke“. Gib der Natur also ein wenig Platz zurück. Dafür nimmst Du dir einfach ein paar Quadratmeter lächel her und gestalte sie insektenfreundlich. Suche Dir schöne mehrjährige Stauden aus, die Du in diesen Bereich pflanzen kannst. Achte auf ein möglichst großes Blühfenster. Deine Gärtnerei des Vertrauens kann Dir hierbei bestimmt helfen. Schaffe auch Versteckmöglichkeiten und Witterungsschutz. Ein alter Baumstumpf / Stamm / Wurzel sind in der Mitte der Fläche ein schöner Blickfang. Eine Ecke mit Straüchern, Ästen und Laub dient ebenfalls als Schutz und bietet Platz für die Überwinterung. Ein paar lose aufeinandergestapelte Natursteine dürfen auch nicht fehlen. Auch eine Insektennisthilfe kann hier einen schönen Platz finden. Freie Bereiche kannst Du mit weiteren Blühpflanzen füllen. Achte dabei auf offene Blüten, damit die Insekten leicht an Pollen und Nektar gelangen können. Denke immer daran, Du möchtest diese Fläche so wenig wie möglich bearbeiten bzw. nur das Nötigste im „Insektenrefugium“ in Ordnung bringen. Vielleicht kannst Du im hinteren Bereich noch weniger Ordnung schaffen. Hier darf das Gras hoch inaus wachsen und blühen. Auch einige „Unkräuter“ wie Brennessel, Ampfer und Co sind wahre Insektenmagneten. Wenn Du kannst, lasse in kleinen Bereichen solche Pflanzen stehen. Wie gesagt, Du musst ja nicht Deinen ganzen Garten umkrempeln, lediglich 2 bis 3qm im Garten reichen schon. Du wirst sehen, wie schnell die ersten Insekten ihr neues Refugium entdeckt haben und beleben. Oft ist es ein wahres Schauspiel und bietet für Groß und Klein immer etwas zum Entdecken.

Der Balkongarten

Auch wenn man es nicht denkt, in den meisten Städten ist ein große Vielzahl von Insekten vorhanden. Besonders in den Sommermonaten wimmelt es von Insekten rund um Parks, Grünanlagen, Vorgärten und Innenhöfen. Oft sind weit über unseren Köpfen, auf den Dächern der Stadt, viele Imker mit ihren Bienenstöcken angesiedelt. Diese laben sich den Sommer über an der Vielzahl der Blüten. Doch was ist im Frühjahr, Herbst und frühen Winter? Dann sind in aller Regel die Blumenkästen und Kübel leer geräumt. Die Nahrungsgrundlage und Überwinterungsmöglichkeit fehlt. Viele der wild lebenden Insekten sterben durch Futtermangel. Also ist es wichtig, dass besonders in futterarmen Zeiten noch ausreichend blühende Pflanzen vorhanden sind. Entferne also nicht alle Pflanzen aus den Kübeln, pflanze eventuell Ziergräser oder kleiner Stauden, die im Winter nicht nur Unterschlupf bieten, sondern auch noch hübsch aussehen. Besonders im Frühjahr sind Frühjahrsblüher eine willkommene Unterstützung für die Insektenwelt. Dazu zählen vor allem Schneeglöckchen, Primeln, Krokusse, Huflattich, Tulpen, Veilchen, Stiefmütterchen, Ranunkeln und Hyazinthen. Im Herbst gibt es auch noch einige schöne Blühpflanzen. Vor allem Winterheide, Christrosen, Erica, Veilchen und Stiefmütterchen sind beliebt. Es gibt allerdings noch viele andere wunderschöne Herbst- und Winterblüher. Bei Fragen sind Dir bestimmt die Mitarbeiter in Deiner ansässigen Gärtnerei behilflich.

Insektennisthilfen

In den letzten Jahren sind sie groß im Kommen gewesen. Und das zu recht. Die Auswahl ist riesig, fast überall sind „Insektenhotels“ oder „Insektennisthilfen“ zu erwerben – als Selbstbausatz, bereits fertig aufgebaut, in allen verschiedenen größen. Doch hier gilt: Nicht alles was glänzt ist sinvoll! Viele „Insektenhotels“ die es zu kaufen gibt, sind unzureichend oder für viele Insekten nutzlos. Die meisten Insekten sind auf ganz bestimmte Gegebenheiten angewiesen. Diese sind aber leider oft nicht vorhanden. Ich bevorzuge allerdings den Begriff „Insektennisthilfen“. Denn die liebevoll zusammengestellten Insektennisthilfen dienen vor allem dem Einnisten des Nachwuchses, welches dort drinnen Überwintert und im Frühjahr schlüpft. Es ist nicht schwer, eine kleine Insektennisthilfe im Garten oder gar auf dem Balkon zu gestalten. Achte dabei auf verschiedene Materialien mit unterschiedlichen Größen und Lochdurchmessern. Am wichtigsten ist der Standort: Er sollte nicht voll im Wind stehen und keinem starken Regen ausgesetzt sein. Vormittagssonne ist Ideal, pralle Sonne über die heißen Mittagsstunde sollte tendenziell vermieden werden. Es gibt einige interessante Berichte und Anleitungen zum Bau einer Insektennisthilfen mit reichlich Tipps. Außerdem kannst Du bei NABU und anderen hilfreiche Ideen sammeln.

Verzicht auf Insektenschutzmitteln

Auch heute noch ist es in vielen Gärten üblich, Wege, Hofflächen oder Pflanzen mit Insektenschutzmitteln oder Unkrautvernichtern zu spritzen. Obwohl die möglichen Folgen, wie Sterben vieler Nützlinge, Verbleib der Wirkstoffe in der Umwelt oder Auswirkungen auf die eigene Gesundheit, bekannt sind, ist es immer noch frei verkäuflich. Wenn Du den Insekten helfen möchtest, solltest Du auf solche chemischen Mittel verzichten. Dafür gibt es allerhand biologische Maßnahmen, welche mindestens genauso gut helfen. Gesunde Pflanzen, Pflanzenjauchen, Nützlinge oder eigene Arbeitskraft helfen auf ganz einfache Art. Auch der Verzicht auf billige Discounterware hilft langfristig den Insekten. Kaufe lieber, wenn Du die Möglichkeit hast, biologisch angebaute Gemüse, Getreide und Obst. Am Besten ist es regional beim Hofladen eines Biobauern oder in entsprechenden Reformhäusern. In einigen Gegenden gibt es schon Unverpackt – Läden, die nicht nur Bioqualität anbieten, sondern auch noch einiges an Verpackungsmüll sparen!

Sensibilisierung unserer Mitmenschen

Du kennst vielleicht einen Nachbarn oder Gärtner, der bei Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten gerne zu chemischen Mittel greift? Manchmal hilft hierbei einfaches Ansprechen und Erklären! Oftmals stecken viele in festgefahrenen Mustern fest und denken gar nicht bewusst darüber nach. Vielleicht hast Du für diese Person schon ein paar nützliche Tipps und Tricks, wie sie die Situation auf natürliche Art und Weise lösen kann.

Fazit

Wie Du siehst, ist es ziemlich einfach einen kleinen eigenen Beitrag für die Insekten zu leisten. Du musst nicht versuchen, alles in deiner Umgebung zu verändern, oftmals reicht es schon, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und kleine Dinge zu ändern. Vielleicht erstmal ein paar Blühpflanzen in den Garten oder auf den Balkon zu setzen oder ganz einfach eine Insektenwiese auszusäen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, Suche Dir aus was zu Dir und Deinem Leben passt. Und vielleicht, mit der Hilfe von Freunden, Nachbarn und Bekannten, können nach und nach größere Projekte enstehen. Die Insekten zählen auf Euch!

Wie Nutztiere Insekten und andere Widtieren helfen, erfährst Du in einem der nächsten Beiträge!

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