Bodenpflege im Gemüsegarten

Oder wie der natürliche Selbstversorger seinen Boden nachhaltig pflegt

Kennst Du diese Gärten, die jedes Jahr in aller Üppigkeit blühen, große und knackige Kohlköpfe tragen, die schönsten Möhren trägt und in allen Ecken summt und brummt. Aus meiner Kindheit kenn ich solche Gärten. Volle Beete, tolle Kulturen und super Boden. Wenn man bei uns an den alten Schrebergärten vorbeikam, war ich schon als kleines Kind von der Vielfalt beeindruckt. Jeder Quadratzentimeter war bepflanzt, mit den verschiedensten Sachen. Dazwischen immer wieder Beerensträucher und Blumen. Wenn ich heute an diesen Schrebergärten vorbei gehe, ist meistens nichts mehr von dieser wunderschönen Vielfalt zu sehen. Die üppigen Beete mussten einer grünen Rasenflächen weichen, wenn überhaupt ist eine neulich gepflanzte Thujahecke das einzige Lebendige dort. Eigentlich ein trauriger Anblick.

So ein Bauerngarten kann schon ganz schön imposant sein…

Zum Glück ist das kein Problem, was nicht zu ändern ist. Wenn Du einen solchen Garten ergattern konntest, hast Du jederzeit noch die Möglichkeit aus dem öden Freizeitgarten einen wunderschönen Vielfaltsgarten zu machen. Natürlich musst und solltest Du nicht auf einen Erholungs- und Freizeitbereich im Garten verzichten. Idealerweise teilst Du den zukünftigen Garten in 7 Bereiche ein. Neben einem Freizeitbereich solltest Du 6 weitere Beetbereiche einplanen – so dass Du jedes Jahr auch die Fruchtfolge beachten kannst. Wahrscheinlich ist Dir ja schon bekannt, dass Du bestimmte Gemüsearten nicht jedes Jahr auf der gleichen Fläche anbauen solltest. So vermeidest Du Krankheiten, Schädlinge und Auslaugung des Bodens. Die 6 Beetbereiche folgen einem ähnlichen Prinzip, teilen sich aber etwas anders auf. Dabei geht es vor allem darum, Nachtschattengewächse und Kreuzblütler jeweils weit genug zu trennen. Folgende Bereiche gibt es:

  • Knollenfrüchte / Nachtschattengewächse: vorallem Kartoffeln und Tomaten
  • Hülsenfrüchte: Bohnen und Erbsen
  • Kreuzblütler: Kohlarten, Rüben, Radies etc.
  • Stickstoffzehrer: starkzehrende Pflanzen wie Kürbis, Gurke und Mais
  • Zwischenfrüchte: Salat, Zwiebeln etc
  • Hackfrüchte: Karotten, Rote Bete, Sellerie etc
Deinen Garten und Deine Beete kannst Du ganz nach Deinem Geschmack, Platz und Nutzen einteilen. Nur die wichtigsten Regeln solltest Du beachten…

Die Knolle und Hülse

Dabei bringt jede Beetkultur ihre eigenen Vorteile und positiven Eigenschaften für den Boden mit. Die Knollenfrüchte – Kartoffeln – sind, obwohl sie auch äußerst kräftige Starkzehrer sind, sehr gute Bodenaufbereiter. Daher werden sie besonders gern nach Kleegrasanbau oder Wiesenumbruch angebaut. Denn sie können verhärteten und verdichteten Boden während einer Kulturdauer wunderbar auflockern. Die Anbaumethode auf Dämmen bringt sogar sehr schöne und lockere Obererde hervor. Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen sind Leguminosen. Auch diese, bzw ihre Symbiose mit Knöllchenbakterien, sind eine Bereicherung für den Boden. Diese können den Boden nachhaltig verbessern. Denn sie speichern Stickstoff für nachfolgende Kulturen langfristig im Boden (am Besten alle Wurzelteile im Boden lassen). Der Vorteil ist hier auch, dass der Stickstoff so nicht ausgewaschen und langsam abgegeben wird. So sind, bei einem einigermaßen guten Boden, im nächsten Jahr meist keine zusätzlichen Stickstoffgaben nötig.

Die Kreuzblütler

Wurden Hülsenfrüchte im Vorjahr angebaut, ist der Boden sehr gut für die folgende Kultur, die Kreuzblütler, bestens aufbereitet. Die meisten Kreuzblütler sind Starkzehrer, die besonders viele Nährstoffe benötigen. Wusstest Du das Kohlarten relativ tief wurzeln? So profitieren Sie von den hinterbliebenen Wurzelresten der Bohnen, die bis etwa 1 Meter tief wurzeln. Mit 40 bis 80cm liegen sie genau in diesem Bereich und können von der tiefengelockerten Erde ihren Nutzen ziehen. Hier ist natürlich auch wie immer wichtig, die Fruchtfolge einzuhalten – besonders bei Kreuzblütlern. Die 4 Jahre sind so auf jeden Fall eingehalten. Kleiner Tipp: hast Du verschiedene Kohlarten/Gewächse in einer Saison zu verschiedenen Zeiten geplant, kannst Du den Beetbereich in frühe, mittlere und späte Kulturen einteilen. Die freien Bereiche können dann immer noch getrost mit Zwischenkulturen besetzt werden.

Phacelia ist eine wunderbare Gründüngung und kann auch mal zwischendurch angesät werden. Sie ist nicht nur gut für den Boden, sondern auch eine sehr gute Nährpflanze für die heimischen Bienen!

Die Kürbisgewächse

Im darauffolgenden Jahr folgen die Stickstoffzehrer. Diese bekommen bei mir im Frühjahr nochmal einen Stickstoff-Booster in Form von etwas abgelagert Mist oder Dung. Während der Kulturzeit bekommt jede Pflanze noch eine Gabe Melasse im Gießwasser. Im Hausgarten eignen sich auch Rinderdungpellets, Schafwollpellets, Rohwolle oder auch Hornspäne. Die Pflanzen wie Mais und alle Kürbisgewächse vertragen höhere Mengen an Stickstoff sehr gut – und das aus gutem Grund. Denn sie bilden schnell und viel Blattmasse aus, wofür sie, neben anderen Nährstoffen, eben viel Stickstoff verbrauchen. Der Vorteil von den großblättrigen Kürbisgewächsen ist natürlich, dass sie den Boden wunderbar abdecken und Unkraut unterdrücken. Nach diesem Jahr ist natürlich der Boden erstmal stark beansprucht worden. Aus diesem Grund folgen in den nächsten beiden Jahren eher Schwach- und Mittelzehrer.

Die Zwischenfrüchte und Hackfrüchte

Im fünften Jahr folgen also Zwischenfrüchte wie Salate und Zwiebelgewächse. Diese verbrauchen kaum Nährstoffe und kommen mit dem jetzt nur noch schwach gedüngten Boden bestens zurecht. Die Gefahr von Schädlingen besonders bei Zwiebeln wird hier auch so minimiert. Salate, Spinat und eben auch alle Lauchgewächse profitieren von dem niedrigeren Unkrautdruck und müssen nicht so häufig gehackt werden. Die 5. Beetfolge kann auch mit einer Gründüngung ganz oder teilweise ersetzt werden. Da empfiehlt es sich aber, das Jahre mit dem letzten Jahr zu tauschen. Denn so ist wieder eine gute Vorbereitung für das Kartoffeljahr eingebaut. Als eigentliches sechstes Jahr werden die klassischen Hackfrüchte wie Karotten, Sellerie und Rote Bete angebaut. Diese eher Mittelzehrer freuen sich über eine kleinere Gabe von Nährstoffen, wie Kompost oder gut abgelagerten Mist. Der Mist sollte aber unbedingt schon im Herbst des Vorjahres eingearbeitet werden, da viele Wurzelgemüse etwas empfindlich auf zu viel Mist reagieren. Da Wurzelgemüse wirklich empfindlich auf Unkraut reagiert, sollte regelmäßig gehackt werden. So wird aber das unliebsame Unkraut klein gehalten und schön minimiert.

Mist ist ein sehr guter Dünger, sollte aber in der Regel 1-2 Jahre abgelagert sein. Am Besten finde ich eine Mischung aus Mist und Kompost, die ich im Herbst ausbringe und den Boden damit ein wenig abmulche…

Natürlich kann das ganze System noch über einzelne weitere Bereiche ausgeweitet werden – zum Beispiel mit einem Gründüngungsjahr oder mit noch weiteren und genaueren Einteilungen der verschiedenen Kulturen. Das beinhaltet aber immer mehr Wissen und Erfahrung. Für den Neuling unter den Selbstversorgern empfehle ich daher diese vereinfachte Version. Bei dem ganzen System gehe ich immer davon aus, dass jedes Jahr der Boden einige gute Grundversorgung erhält. Zum Beispiel durch die Zugabe von Kompost, Mulchabdeckungen im Winter oder durch eine Gründüngung der Beete mittels Pellets oder Hornspäne. Vorallem aber lebt das ganze System von der Verwendung organischer Substanzen – der Naturgärtner wird dies wahrscheinlich bereits in seinem Wirken verinnerlicht haben. Näheres über das Düngen im Garten – das Füttern des Bodens – erfährst Du im nächsten Beitrag. Bis dahin, wünsche ich Dir viel Spaß bei der Pflege des Gartens!

Hier geht’s zum vorherigen Teil: Wechselseitige Beziehungen im Selbstversorgergarten

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